Was können Angehörige tun?
Den Alltag bewältigen
Morgensteifigkeit ist das Leitsymptom der rheumatoiden Arthritis. Das bedeutet, dass Patienten vor allem am frühen Morgen wenig beweglich sind: Einfache Verrichtungen wie Knöpfe schließen, Brötchen aufschneiden oder Kaffee kochen sind häufig kaum möglich. Hier können Sie schon mit kleinen Handreichungen eine große Hilfe sein! Möglicherweise schreitet die Krankheit aber auch weiter fort, so dass Beweglichkeit und Kraft grundsätzlich eingeschränkt sind. Überlegen Sie dann gemeinsam mit der oder dem Betroffenen, welche Hilfen notwendig sind und wie man sich die Aufgaben, gerade auch im Haushalt, sinnvoll aufteilen kann. Vielleicht ist es ja auch möglich, dass Sie sich für wenige Stunden in der Woche Hilfe von außen holen - zum Beispiel eine Putzhilfe, die zumindest "das Grobe" erledigt. Auch wenn Sie dafür vielleicht auf einen Kinobesuch oder ähnliches verzichten müssten, kann dies eine große Entlastung darstellen!
Versuchen Sie, Aufgaben und Verantwortung so gut es geht untereinander aufzuteilen. Dabei geht nicht darum, alle Verantwortung vom Patienten fernzuhalten - ganz im Gegenteil: Je weniger leistungsfähig jemand im körperlichen Sinne ist, umso wichtiger ist es, sie oder ihn an Planung und Organisation zu beteiligen! Abgesehen davon, dass ja auch Sie als Angehöriger nicht alle Last alleine tragen sollten...
Gemeinsame Interessen
In den meisten Partnerschaften gibt es gemeinsame Hobbies und Aktivitäten - das kann Gartenarbeit genauso sein wie Konzertbesuche oder Sport. Versuchen Sie, diese Gemeinsamkeiten aufrecht zu erhalten, auch wenn sie - Beispiel Gartenarbeit - anders wahrgenommen werden müssen. Hier ist es wie im Haushalt: Teilen Sie sich die Aufgaben danach auf, wer was kann.
Hatten Sie in der Vergangenheit ein Hobby, das der Partner nun nicht mehr mitmachen kann (zum Beispiel ein anstrengender Sport), dann heißt das nicht automatisch, dass nun auch Sie damit aufhören sollten. Ganz im Gegenteil, sprechen Sie sachlich und verständnisvoll darüber, dass Sie diesen Aktivitäten weiter nachgehen wollen, denn Sie können nicht Ihr ganzes Leben dem kranken Partner anpassen. Aber Sie können sich gemeinsame (neue) Freizeitbeschäftigungen suchen: Gehen Sie öfter ins Museum oder machen Sie am Wochenende Ausflüge in die Umgebung, besuchen Sie mal wieder eine Theateraufführung...
Sicherlich gehört es zu den schwierigsten Herausforderungen, hier die richtige Balance zu finden. Einerseits wollen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner Zeit verbringen, haben auch Verständnis für seine Situation, andererseits haben auch Sie Interessen und Bedürfnisse, die Sie nicht ganz hintenan stellen möchten. Vielleicht klappt der Ausgleich nicht immer reibungslos und harmonisch - das ist ganz normal! Reden Sie miteinander, und probieren Sie verschiedene Dinge aus. An neue Situationen müssen sich eben alle Beteiligten erst gewöhnen!
Dasein und Zuhören
Schon in den zwei Aspekten "Haushalt" und "Hobbies" kann, wie oben beschrieben, Konfliktpotential liegen. Viele weitere Belastungen für die Beziehung können dazu kommen: Das Gefühl, vernachlässigt oder nicht verstanden zu werden, Wut und Trauer über eine Situation, der man sich hilflos gegenüber sieht... Für keinen der Beteiligten ist es einfach. In der Regel hilft es aber, über das, was man fühlt, offen und sachlich zu sprechen. Und zwar so, dass der andere sich nicht bewertet oder gar angegriffen fühlt. Formulieren Sie eigene Beobachtungen und Gefühle ("Ich fühle mich vernachlässigt, wenn Du so viel Zeit mit Deiner Therapie verbringst...") und nicht Bewertungen ("Dir ist ja Deine Krankheit viel wichtiger als ich..."). Versuchen Sie, sich dem anderen verständlich zu machen, und bringen Sie die Geduld auf, auch Ihr Gegenüber verstehen zu wollen.
Sollten Sie trotzdem einmal das Gefühl haben, es könnte grundsätzliche Probleme geben, scheuen Sie sich nicht, eine Partnerschaftsberatung in Anspruch zu nehmen. Diese wird übrigens auch von karitativen Organisationen angeboten:
www.profamilia.de
www.diakonie.de
www.beratung-caritas.de


