Genre Arztserien: Lebensretter im Liebeswirrwarr

Studie: Arztserien beeinflussen Patientenverhalten

Dr. Brinkmann von der Schwarzwaldklinik, Dr. Stefan Frank – der Arzt, dem die Frauen vertrauen - und Dr. Shepherd - in "Grey’s Anatomy" liebevoll McDreamy genannt - sind nur drei Exemplare der Gattung TV-Ärzte aus aktuellen und vergangenen Arzt-Serien. Sie sind schmuck, erfolgreich und haben für jedes Problem Verständnis. Und natürlich nehmen sie sich für jeden Patienten viel Zeit. Ihre Diagnosen, Therapien und Operationen führen nach viel Dramatik (und häufig auch viel Kunstblut) fast immer zum Erfolg, und der Patient wird geheilt und voller Dankbarkeit entlassen. Einzige Ausnahme: Der griesgrämige Dr. House, der Patienten und Kollegen weder mag noch ernst nimmt und lediglich an möglichst komplizierten Diagnosen seine helle Freude hat. So viel zur Scheinwelt des Fernsehens.

Fakten und Fiktion

Wie sieht aber die Wirklichkeit aus? Fakt ist: In Deutschland gibt es in einigen Fachbereichen zu wenig Ärzte, insbesondere in ländlichen Regionen. Um spezialisierte Fachärzte wie zum Beispiel Rheumatologen aufzusuchen, nehmen Patienten oft weite Wege und lange Wartezeiten in Kauf. Häufig müssen sie dann feststellen, dass ihr Arzt sich aufgrund seiner hohen Patientenzahl nicht die nötige Zeit für jeden Einzelnen nehmen kann.

Trotz der offensichtlichen Unterschiede von Scheinwelt und Realität scheint der Konsum der TV-Arztserien das Verhalten und die Erwartungen von Patienten an Ärzte und Kliniken zu beeinflussen. Das hat eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie gezeigt, in der der Einfluss des Fernsehkonsums auf die Angst vor einer Operation untersucht wurde: 162 Patienten einer hessischen Klinik, die einen Routineeingriff an Galle oder Leiste vor sich hatten, füllten einen Fragebogen zu ihrem TV-Konsum im Allgemeinen und Arztserien im Speziellen aus. Nach der Operation wurden sie zu ihrer Zufriedenheit mit dem Krankenhaus befragt. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Patienten, die häufig Arztserien konsumieren, blicken einer Operation deutlich ängstlicher entgegen. Mit der ärztlichen Visite sind sie meist weniger zufrieden als Patienten, die sich nicht für Arztserien interessieren. Die Studienleiter erklären dies mit der verzerrten Wahrnehmung durch das TV: Operationen verlaufen dramatischer und blutiger als sie es in Wirklichkeit sind, Visiten werden mit mehr Zeit und Verständnis für die einzelnen Patienten durchgeführt als in einer „echten“ Klinik. Gleichzeitig zeigte die Studie jedoch, dass Arztserien-Fans ihre Ängste besser als andere bewältigen können, assoziieren sie schließlich nach wie vor eine „Traumwelt“ mit dem Krankenhausalltag.

Überzogene Erwartungen herabsetzen – Kommunikation verbessern

Was können Patienten und Ärzte aus dieser Studie lernen? Patienten sollten keine überzogenen Erwartungen an ihre Ärzte haben. Auch wenn sie, im Gegensatz zu den immer verständnisvollen "Halbgöttern in Weiß" aus dem Fernsehen, nicht so viel Zeit für jeden Einzelnen mitbringen, sind die Ärzte in Deutschland trotzdem kompetent und im internationalen Vergleich gut ausgebildet. Sollten sich Patienten bei ihrem Arzt nicht gut aufgehoben fühlen, kann dieses Problem aktiv angesprochen werden. So kann eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung entstehen, die besonders bei Patienten mit chronischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, die regelmäßige Arztbesuche erfordert, zum Wohlbefinden beitragen kann.

Wer sich ein eigenes Bild über Arztserien machen möchte, der findet in unserem Themenspecial Informationen über aktuelle Ausstrahlungen und TV-Ärzte sowie interessante Facts über die "Mutter aller deutschen Arztserien", die Schwarzwaldklinik. Testen Sie zudem in unserem kleinen Quiz ihr eigenes Wissen über Arztserien.
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