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Interview mit Prof. Dr. Jahn

Welche neuen Therapien gibt es im Bereich der Autoimmunerkrankungen? Was können Patienten selber tun? Wir haben mit PD Dr. Sigbert Jahn, Immunologe und Dermatologe, Medizinischer Direktor bei Merck Serono, über diese und weitere Fragen gesprochen.



Herr Dr. Jahn, woran liegt es, dass Autoimmunerkrankungen immer weiter zunehmen?

Eine wirkliche Zunahme von Autoimmunerkrankungen ist schwer nachweisbar. Dass wir heute mehr Patienten mit Autoimmunerkrankungen kennen, lässt sich möglicherweise mit verbesserten diagnostischen Methoden und dem unglaublich gewachsenen Verständnis für das menschliche Immunsystem erklären. Wir haben gelernt, dass auch bei Krankheiten, für die das früher so nicht bekannt war, ein fehlgeleitetes Immunsystem, verantwortlich sein kann. Natürlich spielt auch die gewachsene Lebenserwartung eine Rolle, da zumindest einige der Autoimmunerkrankungen eindeutig im Alter zunehmen. Mehr ältere Menschen heißt daher auch mehr Autoimmunpatienten.

Wie kann man einer Autoimmunerkrankung im Alltag vorbeugen? Geht das überhaupt?

Patienten mit Autoimmunerkrankungen leiden an einem teilweise falsch programmierten Immunsystem, das sich gegen körpereigene Bestandteile wie Gewebe oder Organe richtet und diese zerstört oder stört, also ihre Funktion beeinträchtigt. Da die genetische Veranlagung aber nicht allein verantwortlich ist, weiß man natürlich nicht, wer einmal davon betroffen sein wird. Daher kann man der eigentlichen Krankheit nicht vorbeugen. Für Patienten mit Autoimmunerkrankungen gilt, möglichst alle Faktoren auszuschalten, die das Immunsystem unnötig aktivieren und damit einen "Schub" ihrer Erkrankung auslösen könnten. Dazu gehört eine gute Infektionsvorbeugung ebenso wie die sorgfältige Diskussion von Impfungen mit dem Hausarzt. Frauen sollten sich hinsichtlich einer hormonellen Verhütung umfassend beraten lassen. Autoimmunerkrankungen werden häufig mittel- oder langfristig immunsuppressiv behandelt, d.h. bestimmte Komponenten des Immunsystems sind in ihrer Aktivität unterdrückt. Da die Patienten häufig von mehreren Fachärzten betreut werden, ist es wichtig, dass alle über die laufende Therapie Bescheid wissen und ohne Wissen des "Leitarztes" keine Änderungen derselben vornehmen.

Wie bewerten Sie die derzeitigen Therapieentwicklungen?

Man kann zwei Entwicklungsschienen für Therapien der Autoimmunerkrankungen skizzieren: Zum einen Bewährtes weiter verbessern, zum anderen immer spezifischere, innovative Immuntherapien entwickeln. Ersteres beinhaltet verbesserte Zubereitungsformen von Arzneimitteln oder optimierte Injektionsmöglichkeiten. Es handelt sich überwiegend um Präparate mit einem eher breiten immunregulatorischen Ansatz. Der zweite Ansatz basiert auf dem immer weiter wachsenden Verständnis von Immunmechanismen und zielt auf eine immer spezifischere Beeinflussung von Entzündungsstoffen. Die wichtigste Frage der Zukunft wird allerdings nicht sein, ob Therapien auf breiter Basis greifen oder das Immunsystem hochspezifisch regulieren, sondern bei welchem Patienten welche Therapie am besten greift - also eine personalisierte Medizin zu finden.

Herr Dr. Jahn, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

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